Oxfam und Kartoffelprojekt: Argument gegen „Big Business in der IZA“?

Zum Text swissinfo „Entwicklungshilfe und „Big Business“:

https://www.swissinfo.ch/ger/politik/wenn-sich-entwicklungshilfe-mit-big-business-einlaesst/46005392

Das soll anscheinend ein Argumentarium sein, EZA nicht mit Privatunternehmen zu machen? Ich sehe in diesem Beispiel eher so etwas dargestellt wie einen, der Wanderschuhe braucht und dann in ein Pneugeschäft geht und Rennreifen kauft. Anders gesagt: Ein Beispiel von krasser Inkompetenz der Entwicklungsbürokraten. Wie in aller Welt kommen sie dazu, gleich mit Gross“konzernen“ bei Erschliessung neuer Projektbereiche oder –gebiete anzufangen? Für mich am naheliegendsten sind 2 Hauptgründe, vielleicht drei:

  • Zum einen: Es muss immer mehr Geld in der EZA „untergebracht“ werden. Aus Beamtensicht ist es da am vorteilhftesten, möglichst grosse Summen in möglichst wenige Einzelprojekte zu stecken. Das spart Arbeit (für die Beamten). Wegen der grossen Summen will man „grosse“ Partner, da fühlt man sich sicherer.
  • Zum zweiten: Ich habe oft und auch am eigenen Leib erfahren (Bsp Kosovo), wieviel Verachtung von Entwicklungsbürokraten allem entgegengebracht wird, was nach „Privatwirtschaft“ klingt. Folgerichtig ist die Ahnung davon, wie es da zugeht und was für Ausprägungen es gibt, nahe Null. Kein Wunder, versteht man sich nicht darauf, brauchbare Kriterien zur Partnerwahl zu entwickeln.
  • Zum dritten, und wohl am peinlichsten: Es gibt inzwischen immer mehr Entwicklungsbürokraten an entscheidenden Stellen, die wenig oder keine Ahnung von den realen Gegebenheiten „im Feld“ haben und darum auch nicht wissen, wie angepasste Projekte geplant werden sollten.

Was die DEZA betrifft, steht diese ganz am Anfang der Lernkurve, auf welcher Basis, mit welchen Partnern und in welcher Weise man mit Privaten kooperieren soll. Beispiele gibt es noch ganz wenige. Wie auch die Gegebenheiten vor Ort muss man auch die Gegebenheiten verschiedener Unternehmen zumindest in den Grundzügen verstehen. Sonst wird es nichts.

Oxfam zu Kartoffelprojekt Afrika

https://www.oxfam.de/blog/kartoffelinitiative-afrika-tolle-knolle-absurde-entwicklungshilfe#:~:text=%E2%80%9EDie%20Kartoffel%20muss%20nach%20Afrika,markigen%20Worten%20im%20Juni%202013.&text=Sie%20ist%20Teil%20der%20von,und%20heimlich%20hat%20auslaufen%20lassen.

Wurde in Zusammenhang mit „Public Private Partnership“ (PPP) hierher verlinkt, anscheinend als Argumentation gegen Mitwirkung der Privatwirtschaft in der Entwicklungszusammenarbeit. Bin selber Agronom und habe in einer ganzen Reihe von Projekten in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa gearbeitet, auch in Kartoffelanbau.

Die Argumentationslinie kann ich trotz Lücken einigermassen nachverfolgen, was die begangenen Fehler bei der Wahl der Kartoffelsorten, der Technologien, wohl auch der Region (Böden) und der „Zielgruppen“ betrifft. Sie sind klassisch bei Planungen von Leuten ohne Felderfahrung.

Der grundlegende Fehler scheint aber ganz am Anfang gemacht worden zu sein: Wer auf die Idee kommt, auf grossmasstäblichen und ertragsoptimierten Anbau in Mitteleuropa spezialisierte Agrarfirmen einzusetzen in einem Projekt, wo kleinbäuerlicher Anbau vorherrscht und gewiss auch Low tech, ist inkompetent oder nicht bei Trost.

Die Agrarfirmen haben ihre Technologien angewandt und damit getan, was sie kennen. Dass sie sich dort gern etablieren, war erwartbar und ist ihnen nicht zu verdenken. Auch in der GIZ existiert das know-how, wie man an kleinbäuerliche Landwirtschaft herangeht. Warum das nicht genutzt wurde, bleibt unerklärt. Da haben offenbar GIZ-Bürokraten einen kapitalen Bock geschossen.

JS

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