Es ist Mitte Dezember, und für die Spendensaison 2020 eigentlich fünf vor zwölf. Aber nach ein paar Jahren, während derer das Überleben von IDEAS AidRating alles andere als gesichert schien, wollen wir es wieder wissen. Und darum hier unser Spendenbarometer. Er kann, wohlgemerkt, auch für den Rest des Jahres genutzt werden!

Unsere Aussagen sind nicht nur explizit, sondern gehen gewiss auch gegen den Strom, den Mainstream. Denn wir müssen keine Geldgeber oder Lobby zufriedenstellen, sondern sind einzig unserer Kenntnis der Schweizer IZA-Szene verpflichtet. Und unserem Gewissen.

Diesmal wollen wir das Augenmerk noch mehr auf eine Erscheinung richten, die sich immer schärfer abzeichnet: Da gibt es die seit Jahren bekannten grossen Hilfswerke, die mit ihren Broschüren eifrig sammeln. Es scheint, als wären sie es, die die Schweizer humanitäre Seele verkörpern.
Aus kritischer Sicht sieht es eher so aus: Die öffentliche Szene wird beherrscht von diesen wenigen grossen Hilfswerken und, besonders zu bemerken, auch ihren Zusammenschlüssen. (»Föderationen», Allianzen, Kampagnenverbünden). Der Bund (das heisst: die DEZA) betrachtet sie nach undurchsichtigen Kriterien als genehme Hilfswerke und alimentiert sie seit Jahren nicht nur mit Millionenbeträgen in Form von «Aufträgen», sondern jedes einzelne erhält zudem wachsende Millionenbeträge an «Beiträgen», für die sie keine Rechenschaft abgeben müssen.

Wer es genauer wissen will, ist eingeladen, diese «Beiträge» und ihre Höhe im Einzelnen der untenstehenden Grafik zu entnehmen, deren Zahlen aus den DEZA-Jahresberichten 2005 bis 2017 stammen. Seit 2018 sind diese Zahlen nicht mehr öffentlich zugänglich, aber der Trend weist seit Jahren nach oben. Allein für 2017 beliefen sich solche «Beiträge» auf 125.5 Millionen CHF.

Für kleine Hilfswerke und diebreite Öffentlichkeit heisst es hingegen, das Geld sei knapp. Wir meinen: Hilfswerke, die vom Staat mit Millionenbeiträgen subventioniert werden, brauchen nicht noch die Spenden der «kleinen Leute». Diese sind vielleicht gut fürs Image, ansonsten aber, im DEZA-Jargon, «Peanuts».

Unser Rat: Spenden Sie an kleine, wenig bekannte, aber engagierte Hilfswerke!

Und sparen Sie sich Spenden an stark subventionierte Hilfswerke wie Helvetas, Caritas, Terre des Hommes Lausanne, SRK, Swissaid, HEKS, Brot für Alle, Swisscontact, Fastenopfer, Solidar, und neu auftauchende kantonale «Fédérations» nach Muster FGC, denn letztere sind als Retortenprodukte anzusehen, entstanden unter DEZA-Aufsicht).

Wer wirklich nutzbringend spenden will, möge dies am besten tun an kleine, wenig bekannte Initiativen, die aus eigener Anschauung heraus etwas tun und aus eigenen Kräften «echte Präsenz» in benachteiligten Regionen, Gegenden, Dörfern, usw. zeigen.
Was meinen wir mit «echter Präsenz»? Es sind überschaubare Aktionen mit konkreten Inhalten, bei denen Zielgruppen mitentscheiden, mindestens eine Person mit Schweizer Kontakt inhaltlich mitwirkt, und mindestens diese Person, besser weitere aus der Schweiz, mindestens einige Zeit jährlich vor Ort tätig im Projektgebiet verbringt (und nicht nur in der jeweiligen Hauptstadt). Ausserdem sollten sie keine ideologische Agenda haben, über ihre Mittel Buch führen und regelmässig über die konkrete Arbeit berichten.

Kennen Sie solche? Teilen Sie es uns und anderen mit! Wer Interesse hat, kann uns und alle Leser gerne auf kleine Initiativen aufmerksam machen, wo Leute mit Engagement vor Ort zusammen mit Betroffenen um Lösungen ringen. Solche sind nicht gar so häufig gesät, und sie können nicht mit dem Füllhorn der DEZA rechnen.

Berichten Sie über kleine Hilfswerke in einem eigenen Kommentar gleich zu diesem Blog-Beitrag! Kleiner Hinweis zu Angaben: Teilen Sie mit,

  • was diese tun und wo,
  • wer zuständig ist,
  • wo der Sitz ist,
  • warum Sie finden, die seien vertrauenswürdig.

Auch Rückfragen und Kommentare sind natürlich willkommen!

Und hier die oben erwähnte Grafik, zusammengestellt aus den offiziellen DEZA-Jahresberichten. Von unten nach oben zu lesen nach Grösse der jährlichen Beiträge, sprich: Subventionen. «Aufträge» der DEZA in gleicher Grössenordnung sind in dieser Aufstellung nicht enthalten und kämen noch hinzu:

4 Kommentare
  1. Rudolf
    Rudolf says:

    Wer ein „Hilfswerk“ wie World Vision auszeichnet, das noch nie bei der ZEWO und öffentlich Rechenschaft abgelegt hat, versucht die Spender falsch zu informieren. Ihre „Informationen“ sind zu 90% faktenfrei. So sind die Projektmitfinanzierungen der DEZA alles andere als Spenden, noch weniger unkontrollierte „Subventionen“. Die von Ihnen „ausgezeichnete“ Kinderhilfe Emmaus, mit der Sie personell verbunden sind, ist nicht einmal ZEWO geprüft, und das ist ein Alarmzeichen.

    Die „Transparenz“ Ihres faktenfernen Vereins, der natürlich auch Sponden sammelt, geht übrigens nur bis 2014 …

    Antworten
    • IDEAS
      IDEAS says:

      Danke für Ihre Ausführungen. Daraus kann man immerhin vermuten, dass Sie Interesse am Spendenwesen haben. Vom Interesse zum Wissen ist allerdings ein langer Schritt, und den scheinen Sie nicht gegangen zu sein. Das vermute ich, weil Ihre Art «Faktenwissen» nicht auf jemand schliessen lässt, der die Arbeit in Entwicklungsprojekten vor Ort konkret kennt.
      Unsere Analyse der Transparenz u.a. von World Vision liegt mehr als 10 Jahre zurück, das haben Sie hoffentlich bemerkt. Wir fanden deren Transparenz selber gar nicht besonders gut. Sie wurden „erste“, weil die Transparenz aller anderen geprüften Hilfswerke noch weit schlechter war. Wenn wir schon dabei sind: Haben Sie z.B. unsere 10 „Schlüsselfragen“ beachtet, die die Grundlage unserer Bewertung ist? (Link). Die DEZA hat später eben diese Kriterien zeitweilig selber benutzt.
      Ihre Unterstellung, wir wären irgendwie mit Emmaus Kinderhilfe verbandelt, ist Unsinn. Immerhin haben Sie ein paar Dinge über uns herausgefunden, bei denen Sie recht haben: Seit ein paar Jahren haben wir aufgegeben, detaillierte Jahresrechnungen ins Netz zu stellen. Wir haben ein Jahresbudget von etwa Fr 2000.-, das sich vor allem aus Telefon- und Internetanschluss (ca 600.-/Jahr) und der Miete eines Archivraumes (Fr 1200.-/J) zusammensetzt. Ich meine, wir haben in einem der Jahresberichte darauf hingewiesen. Sonstige Arbeiten erbringen wir kostenlos. Mehr war in den letzten Jahren aus existentiellen Gründen nicht drin, schon gar nicht das sehr kostspielige Verfahren, das sachlich nutzlose ZEWO-Siegel zu erwerben. Andere kleine Hilfswerke halten das ebenso. Auch ohne ZEWO kann man aussagekräftige Jahresrechnungen ins Netz stellen.
      Etwas Grundlegendes aber haben Sie nicht recht verstanden. Wir reden in unserem Text keineswegs von «Projektfinanzierungen». Der Begriff ist unüblich in der Branche und schwammig. Es gibt einerseits «Projektbeiträge», andererseits «Mandate» von der DEZA an Hilfswerke. Vielleicht wollen Sie sich gelegentlich bemühen, diese Begriffe inhaltlich kennenzulernen.
      Beides ist wiederum etwas ganz anderes als die hier zur Debatte stehenden «Programmbeiträge». Als Subventionen unterliegen diese dem Subventionsgesetz, wie die DEZA selber festhält. Nicht erfüllt ist allerdings das Prinzip der Gleichbehandlung. Vermutlich stehen Sie einem der begünstigten Hilfswerke nahe und es ist Ihnen unangenehm, dass jemand den Finger auf dieses Faktum legt. Es ist in der Tat stossend, und eine angemessene Reaktion „höheren Ortes“ wäre längst fällig.
      Jan Stiefel

      Antworten

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